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Erstaunlicherweise gibt es zu GELD 2.0 keine Alternativen. Dies ist umso bemerkenswerter, als man, um einen ernstzunehmenden Geld-Ersatz zu schaffen, eigentlich nur eine Handvoll grundlegender Prinzipien beachten müsste. Um die aktuelle Situation nachhaltig zu verbessern, ist jedes Tauschmittel geeignet das vom existierenden Währungssystem unabhängig ist, frei ist von ideologischem Ballast und auf den gegenseitigen Austausch von Waren und Dienstleistungen optimiert ist, ohne dabei eine Gruppe von Teilnehmern zu bevorzugen, zu benachteiligen oder gar auszuschließen.

Eine Währung, die diese einfachen Kriterien erfüllt, ist jedoch bis heute nicht in Umlauf. Zwar tauchen seit einigen Jahrzehnten immer wieder alternative Zahlungssysteme auf, diese weisen jedoch so gravierende Konstruktionsfehler auf, dass sie das Potential, das in Alternativwährungen schlummert, nicht entfalten können. Das Gros dieser Schöpfungen lässt sich einem oder mehreren der folgenden Typen zuordnen:

Komplementärwährungen, die sich über traditionelle Währungen definieren

Um eine solche Komplementärwährung in Umlauf zu setzen, müssen die Marktteilnehmer zunächst traditionelles Geld besitzen, mit dem sie dann die neue Währung kaufen können. Das bedeutet jedoch nicht nur, dass die neue Währung das traditionelle Geld niemals ersetzen kann (da sie ja selbst darauf angewiesen ist), sondern auch, dass sämtliche Nachteile des traditionellen Geldes in das neue System übernommen werden.

Häufig werden solche Komplementärwährungen als Regiogeld ausgegeben, womit sie auch tatsächlich einen gewissen Nutzen entfalten können: Da das Regiogeld außerhalb der Region üblicherweise nicht anerkannt wird, führt es zu einer Stimulierung der lokalen Wirtschaft und fördert regionales Kaufbewusstsein. Die eigentlichen Probleme des gegenwärtigen Finanzsystems bleiben davon jedoch unberührt.

Tauschkreise

Tauschkreise räumen ihren Mitgliedern zwar das Recht der Geldschöpfung ein, scheitern aber üblicherweise - direkt oder indirekt - an der Durchsetzbarkeit ihrer Regeln. Mangels Verbindlichkeit verkommen wichtige Prinzipien zu bloßen Richtlinien, deren Einhaltung nur so lange gewährleistet ist, solange die Beteiligten einander kennen und regelkonformes Verhalten persönlich eingemahnt werden kann. Da aber die Nützlichkeit eines Tauschkreises mit der Anzahl seiner Mitglieder exponentiell steigt, sind in solchen Systemen die beiden wichtigsten Parameter - Sicherheit und Nützlichkeit - de facto als Widersprüche angelegt.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass Tauschkreise vor allem Mitglieder anziehen, die ein alternatives Tauschmittel entweder benutzen wollen (etwa aus ideologischen Gründen), oder dies sogar müssen, da sie aufgrund ihrer Lebenssituation nur beschränkten Zugang zum traditionellen Tauschmittel "Geld" haben. Üblicherweise sind Tauschkreise daher auch auf diese beiden Benutzergruppen zugeschnitten und dementsprechend ideologisiert (etwa, indem der Wert qualifizierter mit dem Wert unqualifizierter Arbeit gleichgesetzt wird). Damit dienen sie vor allem der Förderung von Menschen, die im gegenwärtigen System wirtschaftlich benachteiligt sind - eine wünschenswerte soziale Zielsetzung, durch die der Anspruch auf ein neutrales Tauschmittel jedoch verdrängt wird.

Dies ist umso problematischer, als der durchschnittliche Geldbenutzer jedenfalls die Wahl hat und ein alternatives Tauschmittel wohl nur dann annehmen wird, wenn es seine zentrale Funktion erfüllt und ihn nicht noch stärker benachteiligt, als dies beim traditionellen Tauschmittel ohnehin schon der Fall ist. (Es wird daher auch kaum überraschen, dass in Tauschkreisen nicht annähernd jenes Leistungsspektrum verfügbar ist, wie man es für traditionelle Währung kaufen kann - wobei sich das institutionalisierte Unterangebot wiederum als gravierender Hemmschuh für weitere Mitgliedschaften entpuppt.)

Wirtschaftsringe und Barter-Clubs

Bei diesen auf Firmen und Betriebe ausgerichteten Verrechnungssystemen müssen die Teilnehmer, ähnlich wie man das aus dem traditionellen Bankwesen kennt, materielle Sicherheiten einbringen, bevor die Ring-Verwaltung einen entsprechenden Kredit oder Kreditrahmen in der Alternativwährung bewilligt.

Unter den gegenwärtigen Alternativwährungssystemen sind Wirtschaftsringe sicherlich die ausgereiftesten: Sie sind üblicherweise gut abgesichert, verfügen über ein ausgefeiltes Regelwerk und legen zudem die Fähigkeit zur Geldschöpfung in die Hände der Wirtschaftstreibenden. Der entscheidende Nachteil ist jedoch, dass diese Clubs Privatpersonen nicht zugänglich sind (und es aufgrund des bürokratischen Aufwandes sowie der damit verbundenen Notwendigkeit eines Mindestumsatzes auch schwerlich sein können).


Details

• Manche Stimmen behaupten, dass man Komplementärwährungen auch vom traditionellen Währungssystem abkoppeln könnte. Diese Annahme hält jedoch einer praktischen Beurteilung nicht stand: Die Stabilität dieser Art von Komplementärwährungen basiert auf einer Deckung durch klassisches Geld (eine zentrale Autorität garantiert, dass das "neue" Geld jederzeit wieder in "altes" Geld zurückgewechselt werden kann). Mit der Ablösung würden daher auch sämtliche Probleme wieder auftauchen, die mit der Bindung an die traditionelle Währung umgangen wurden. Fragen der Geldschöpfung (wie komme ich an die neue Währung, wenn ich sie nicht mehr mit alter Währung kaufen kann?) und der Wertsicherung (was kann ich statt der alten Währung als Deckung verwenden?) wären hier wohl nur die Spitze des Eisbergs. Im Wesentlichen müsste man die Währung von Grund auf neu erfinden (was wohl auch der Grund ist, weshalb diese Möglichkeit in der Praxis noch nie "genutzt" wurde).

• Ob Tauschkreise aufgrund ihres Regelwerks bestimmte Mitglieder anziehen, oder ob es die Zusammensetzung von Tauschkreisen ist, die zu einem bestimmten Regelwerk führt, gleicht der Frage nach Henne und Ei - die Folgen des Problems bleiben jedoch dieselben. Ungleich brisanter erscheint die Frage, inwieweit Menschen, die zur Verwendung von Alternativwährungen gezwungen sind, lieber traditionelles Geld verwenden würden, wenn sie die Wahl hätten.

• Bei näherer Betrachtung entpuppt sich die Verwendung von "Stunden" als Wertreferenz für Alternativwährungssysteme als Augenauswischerei. Insbesondere die Behauptung, dass alle Stunden identischen Wert haben, ist kaum haltbar. Akzeptiert man diese Tatsache, folgt daraus jedoch fast unweigerlich die unterschiedliche Bezahlung für eine Realstunde (abhängig von Leistung und Qualität der Arbeit) - außer natürlich, man legt auf die Teilnahme von qualifizierten Fachkräften (wie Automechanikern oder Ärzten) keinen besonderen Wert. Wo aber für eine Leistung jede beliebige Anzahl an Währungseinheiten bezahlt werden kann, geht die Referenzkraft der "Stunde" unweigerlich verloren. Zwei Unzen Gold mögen denselben Wert haben - zwei Stunden (von unterschiedlichen Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten) haben ihn jedoch sicherlich nicht.